Objektnummer: 199-01-HC

Objekt: Arkaden

Höhe: 281 cm

Breite: 322 cm (ohne überstehende Teile)

Tiefe: 14 cm

Herkunft: Behra, Pandschab

Alter: Ende 18. Jh./Anfang 19. Jh.


 

Diese Arkaden und die Arkaden 200-01-HC sowie die Türen mit Umrahmung 029-15-HC stammen aus der im Gebirgsraum des nordwestlichen Pandschab gelegenen Ortschaft Behra.

Der Pandschab stand bis zur Mitte des 18. Jhs. unter der Herrschaft der Moghulkaiser. Unter der Herrschaft der Briten ab 1849 bildete er die „Provinz Pandschab“ in Britisch-Indien.

Mit der Teilung Britisch-Indiens in West-Pakistan, Indien und Ost-Pakistan (seit 1971 Bangladesch) fiel der westliche Pandschab 1947 West-Pakistan zu (heute Islamische Republik Pakistan).

Alle drei Architekturteile wurden in den 1980er-Jahren von einem deutschen Geschäftsmann und Privatsammler gekauft und unter dessen Leitung aus dem Haus eines Großgrundbesitzers ausgebaut. 1991 gingen sie in meine Sammlung über. Ein Konvolut von drei Architekturteilen aus dem selben Gebäude ist auf dem Markt sicherlich mehr als eine Seltenheit.

Diese Architekturteile sind aus weiteren Gründen eine Rarität: Zum einen gab es in dieser ländlichen Region (verglichen mit anderen Regionen Indiens) generell nur verhältnismäßig wenige Häuser mit aufwändig beschnitzten hölzernen Architekturteilen im Moghulstil, zum anderen ist dort das Handwerk des Schnitzers bereits seit dem 19. Jh. ausgestorben.

Man darf diese Architekturteile daher nicht mit den ähnlich aussehenden und ebenfalls im Moghulstil gestalteten und beschnitzten Arkaden und Türen aus Rajasthan oder anderen Provinzen Indiens gleichsetzen. Dort gab es Architekturteile dieser Art zu tausenden (allein schon aufgrund der großen Städte) und sie wurden in manchen Regionen bis weit in das 20. Jh. hinein hergestellt

 

Prof. Dr. J. Kalter schrieb über die Architekturteile aus dem Gebirgsraum des Pandschab bereits 1993:

Das Handwerk der Schnitzer ist ausgestorben. Von ihrer Arbeit zeugen heute nur noch wenige oft über die ganze Hausbreite reichende, beschnitzte Fassaden (…) und verandaartige (…) Vorbauten (…). In den wenigen noch erhaltenen Häusern dieser Art leben heute Obdachlose oder von den Grundherren eingewiesene Landarbeiter. Für die Erhaltung der Häuser wird nichts mehr getan. Bei jedem Monsun fallen einige zusammen. Die äußeren Architekturteile werden als Brennholz verkauft oder günstigstenfalls an Kunsthändler nach Lahore geliefert. Vermutlich schon bis zu Jahrtausendwende werden die Zeugnisse der Handwerker, die für Moghulkaiser und reiche Großgrundbesitzer gearbeitet haben, mit Ausnahme weniger in Museen erhaltener Stücke der Vergangenheit angehören.“

(S. 185 in: Vergangene Pracht/Gärten des Islam, siehe unten)

 

Mittlerweile ist über ein viertel Jahrhundert vergangen, seit dieser fast schon anklagende Beitrag Kalters erschien. Und auch jene „Jahrtausendwende“ haben wir längst hinter uns. Es handelt sich bei den hier angebotenen Objekten also um seltene und hochwertige, museumswürdige Stücke.

Verkauf nur im Konvolut mit Arkaden 200-01-HC und Tür 029-15-HC

 

Preis (Konvolut): 12.800 €

 

 

Vgl. Abb. 273 S. 185, Abb. 276 S. 186, Abb. 281, 282 u. 283 S. 188 in:

Johannes Kalter

Vergangene Pracht

Geschnitzte Architekturteile in Häusern der Großgrundbesitzer (…) im Gebirgsraum des nordwestlichen Pandschab

(in Gärten des Islam, Ausstellungskatalog Linden-Museum Stuttgart, Seite 185-189, Stuttgart 1993)


Vgl. Abb. 106 S. 139, Abb. 108 S. 141 in:

Jürgen Wasim Frembgen

Nahrung für die Seele – Welten des Islam

(Staatliches Museum für Völkerkunde, München 2003)

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